Ist Holzbau wirklich teurer als Massivbau?

Das Beratungsunternehmen Wüest Partner AG hat acht grosse Holz-Neubauprojekte der letzten Jahre ausgewertet. Fazit: Die Baukosten der untersuchten Holzbauten sind vergleichbar mit hochwertigen Massivbauten.

Nachhaltig und Hightech: Das Tragwerk des Hauses Krokodil besteht zum Grossteil aus Holz. Die tragenden Stützen haben einen Abstand von 3 bis 4 Meter. (Abbildung: lokstadt.ch)
Nachhaltig und Hightech: Das Tragwerk des Hauses Krokodil besteht zum Grossteil aus Holz. Die tragenden Stützen haben einen Abstand von 3 bis 4 Meter. (Abbildung: lokstadt.ch)

In Gehdistanz zum Bahnhof Winterthur entwickelt Implenia derzeit in enger Zusammenarbeit mit der Stadt ein ehemaliges Sulzer-Industriegelände nach den Anforderungen der 2000-Watt-Ge-sellschaft zu einem lebendig durch-mischten Quartier unter dem Namen «Lokstadt». Darin entstehen mehrere grossvolumige Holz-Neubauten. Ihre Namen beziehen die Bauten auf dem Areal von den Lokomotivtypen, die früher dort gefertigt wurden.

Das derzeit fertiggestellte «Krokodil» ist das erste neue Gebäude auf dem Areal. Es umfasst 248 Miet-und Eigentums-wohnungen im Minergie-P-Standard in verschiedenen Wohnformen. Die Block-randbebauung mit einem Innenhof von 2000 Quadratmeter ist als Skelettbau konstruiert. Verbaut werden insgesamt rund 7700 Kubikmeter Holz, davon 5500 Kubikmeter Brettsperrholz allein für die Decken. Betoniert sind lediglich die Untergeschosse sowie die Treppen-häuser.

90 Millionen Franken werden hier inves-tiert. Die Bauherrschaft teilen sich Implenia als Projektentwickler, die Anlagestiftung Adimora, die Genossenschaft für Alters-und Invalidenwohnungen (Gaiwo) und die Genossenschaft für selbstverwaltetes Wohnen (Gesewo). Timbatec Holzbauinge-nieure Schweiz AG hat das Holzbauinge-nieur-Mandat übernommen. Die Planung nach den Methoden von Building Informa-tion Modelling (BIM) und die Ausführung der sechs-bis achtgeschossigen Kon-struktion liefen über die Implenia-Holz-bau-Einheit. Für die Architektur zeichnen Baumberger & Stegmeier Architekten AG zusammen mit Kilga Popp Architekten AG verantwortlich.

Die Planung für die Holz-konstruktion erfolgt nach den Methoden von Building Information Modelling (links). (Abbildung: lokstadt.ch)
Die Planung für die Holz-konstruktion erfolgt nach den Methoden von Building Information Modelling (links). (Abbildung: lokstadt.ch)

Bauen mit Holz ist bei den Investoren angekommen

Derart umfangreiche Holzbau-Projekte werden in der Schweiz immer häufiger. Entsprechend gross ist das Bedürfnis der Investoren nach vertiefter Information über die besonders nachhaltige Bauwei-se. Eine Frage treibt sie vor allem um: Wie steht der Holzbau im Vergleich mit der Massivbauweise wirtschaftlich da? Schliesslich ist immer wieder die Rede davon, dass der Holzbau bei solch grossen Neubauprojekten teurer sei als eine mineralische Ausführung. Bislang fehlte es an einem verlässlichen Vergleichshorizont über den Rahmen von Einzelprojekten hinaus. 2020 aber hat das renommierte Beratungsunternehmen Wüest Partner AG im Rahmen einer Studie für das Bundesamt für Umwelt acht grosse Holzbauprojekte der letzten Jahre ausgewertet und erstmals Holz-bau-Kostenkennzahlen für Investoren daraus destilliert. Das Sample und der Studienfokus sind noch zu klein, um alle Details zu klären, aber eine Grundaus-sage lässt sich bereits machen: Der ökologische Leader Holzbau kann auch ökonomisch mithalten.

Das Projekt 3Johann der SBB in Basel gilt in Bezug auf Holzbauinvesti-tionen als Best Practice (unten). (Abbildung: 3johann.ch)
Das Projekt 3Johann der SBB in Basel gilt in Bezug auf Holzbauinvesti-tionen als Best Practice (unten). (Abbildung: 3johann.ch)

Studie erscheint in Kürze

Ende März publiziert die Lignum in Zusammenarbeit mit Wüest Partner AG und dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) das Magazin «Was kostet ein Holz-bau?». Neben einem Leitartikel mit den wichtigsten Ergebnissen der Studie «Holzbaukennzahlen für Investoren» werden darin die acht ausgewerteten Objekte steckbriefartig und anonymi-siert vorgestellt.

Weiter findet sich darin ein Beitrag von Wüest Partner: Eine Modellrechnung zeigt für ein typisches Mehrfamilienhaus an verschiedenen Standorten die Auswirkungen der kürzeren Bauzeit eines Holzbaus gegenüber einem konventionell erstellten Gebäude in Bezug auf Markt-wert und Finanzierungskosten.

Zusätzlich wird das Basler Wohnprojekt 3Johann der SBB, das aktuell realisiert wird, als ein Best-Practice-Beispiel vorgestellt. Die Studie von Wüest Partner AG «Holzbaukennzahlen für Investoren» kann auf der Webseite des Bundesamts für Umwelt (BAFU) herun-tergeladen werden. ■

Studie: Holzbaukennzahlen für Investoren.
Studie: Holzbaukennzahlen für Investoren.

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