Digitaler Elementbau

In Zusammenarbeit mit einem bekannten Anbieter von Bausoftware strukturiert das Betonelementwerk Müller-Steinag sein gesamtes Angebot für digitale Anwendungen, BIM und NFC-Schnittstellen. Damit wird es für die Bauschaffenden einfacher, schneller und sicherer, die Betonprodukte bei der Ausschreibung und in den Bauprozess zu integrieren.

Stellvertretend für das Projekt «Digitalisierung innerhalb der Müller-Steinag-Gruppe»; von links: Erwin Müller, Anna Lenzmeier, Thomas Rohr, Simon Galliker.
Stellvertretend für das Projekt «Digitalisierung innerhalb der Müller-Steinag-Gruppe»; von links: Erwin Müller, Anna Lenzmeier, Thomas Rohr, Simon Galliker.

Die Müller-Steinag-Gruppe ist ein inhabergeführtes, unabhängi-ges und eigenständiges Unternehmen, das in den Bereichen Betonwaren, Naturbaustoffe, Vorfabrikation, Recycling, Entsorgung und Wassertechnik tätig ist. Beton ist die Welt des Unternehmens, welches an 13 Standorten knapp 800 Personen beschäftigt und in den Bereichen Betonwaren und Elementbau zu den führenden Schweizer Anbietern zählt. Das Unternehmen verfügt nach eigener Einschätzung über das breiteste Sorti-ment an Produkten aus und rund um Beton.

Alle in der Gruppe hergestellten Artikel werden über drei Verkaufsgesellschaften vertrieben: Über die Creabeton Bau-stoff AG werden mehrere Tausend Betonprodukte für den Hochbau, Tiefbau, Strassenbau, Gartenbau und die Umge-bungsgestaltung verkauft. Die Müller-Steinag Baustoff AG ist für die Bereiche Naturbaustoffe, Transportbeton und Deponien zuständig. Für objektbezogen vorgefertigte Betonelemente wie Treppen, Stützen, Fassaden, Liftschächte und vieles mehr für den Hoch-und Tiefbau zeichnet die Müller-Steinag Element AG verantwortlich.

«Ob verrückt oder standardisiert; wir verwandeln Ihren Wunsch in Wirklichkeit», so lautet deren Credo. In allen Geschäftsberei-chen zeichnet sich das Unternehmen durch einen ausgeprägten Innovationsgeist und den Anspruch auf eine langfristige und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Kundinnen und Kunden aus. Die Digitalisierung in der Bauindustrie wird zu tiefgreifenden Veränderungen führen, aber auch neue Chancen eröffnen. Die Müller-Steinag-Gruppe sieht Chancen in der Digitalisierung und will die dafür erforderlichen Veränderungen aktiv mitgestalten: Zum Vorteil für die Kundschaft, für die weite-re Entwicklung des Unternehmens und letztendlich für den Erfolg der gesamten Baubranche.

Modellanimation Allplan Precast. (Foto: MSE AG)
Modellanimation Allplan Precast. (Foto: MSE AG)

3D-Planung im Elementbau

Das Erlangen der BIM-Fähigkeit des Unternehmens ist beson-ders im Elementbau ein vordringliches Thema. Aus diesem Grund erfolgte im Jahr 2015 der Wechsel von 2D auf 3D. Die Software von Allplan unterstützte diesen Prozess und gewährleistete eine einheitliche Grundlage für die Planerstel-lung an allen Standorten. «Die Übermittlung des 3D-Modells per IFC-Datei durch den Kunden ist für uns heute der Idealfall», erklärt Objektleiterin Anna Lenzmeier. «Denn mit der Über-mittlung einer DWG-oder PDF-Datei klappt es leider nicht immer auf Anhieb», beschreibt sie weiter den Datenaustausch. Das Erarbeiten von Schalungs-und Bewehrungsplänen für die objektbezogen gefertigten Elemente erfolgt mit der Software Precast Planbar von Allplan. In Papierform gehen diese Grund-lagen weiter in die Produktion. Je nach Werk werden die Daten direkt der CNC-gesteuerten Maschine für den Holzzuschnittübermittelt und der Maschine für das Biegen und Zuschneiden der Bewehrung. Für die Kalkulation und die Planung der Produktion fliessen die Daten aus Allplan in das für diese Tätigkeiten ausgelegte Software-Tool von Gesys.

Die Müller-Steinag-Gruppe arbeitet intensiv daran, mit ständigen Verbesserungen die Effizienz sowie den Mehrwert für die Kundschaft weiter zu steigern. Ein Beispiel dafür ist der neu lancierte Treppenkonfigurator: Dies ist ein flexibles und zeitsparendes Planungswerkzeug für vorfabrizierte Treppen im Hochbau. Mit wenigen Klicks kann der User Treppenelemente entwerfen und kalkulieren, unterschiedliche Varianten prüfen und den Richtpreis rechnen lassen.

«Etwas Ähnliches können wir uns auch für Stützen vorstellen», erklärt Simon Galliker. Er ist Leiter Projekte bei der Müller-Steinag-Gruppe. In Zusammenarbeit mit externen Partnern hat er Anwendungsfälle für den «Bimtag» entwickelt, einen kleinen roten NFC-Chip, der dem Bauteil eine eindeutige Identifikation zuweist. Über diese Identifikation können alle relevanten Informationen hinterlegt und mit den realen Bauteilen verknüpft werden. Ein aktuelles Referenzobjekt, bei dem der Bimtag in die Stützen eingelegt wurde, sind die Häuser 11, 12 und 13 beim Neubau Circle am Flughafen Zürich.

Fussgängerrondell, Attisholz-Areal in Riedholz. (Foto: MSE AG)
Fussgängerrondell, Attisholz-Areal in Riedholz. (Foto: MSE AG)

Alle Katalogprodukte werden ausnahmslos mit Allplan modelliert

Die sogenannten Katalogprodukte wie Kanal-und Schachtroh-re, Verbundsteine, Gartenplatten, Kabelkanäle und vieles mehr umfassen mehrere Tausend Artikel und sind ab Lager erhältlich. «Alle diese Katalogprodukte werden bis Frühling 2021 mit Allplan in 3D modelliert», erklärt der Product Manager, Thomas Rohr. Er ist dankbar für die vierjährige 3D-Erfahrung im Elementbau, auf die zurückgegriffen werden kann: «Dank dieser Erfahrung konnten wir viel Zeit sparen.»

m Modell können diverse Informationen hinterlegt und dem Kunden dereinst zugänglich gemacht werden. Dieser Veränderungsprozess involviert eine grosse Anzahl Mitarbeitende. Thomas Rohr zeigt sich sehr erfreut darüber, wie engagiert diese nach erfolgter Schulung den bevorstehenden Wandel mittragen. Was sind die Hauptziele, die mit der Modellierung der Katalogprodukte erreicht werden sollen? «Zum einen die Automatisierung in der Arbeitsvorberei-tung und zum anderen bessere Plan-grundlagen für die Produktion bei objektbezogenen Anpassungen an Katalogartikeln», so Thomas Rohr.

Vergleichbar mit dem Treppenkonfigurator im Elementbau, gibt es bei den Katalogprodukten einen Konfigurator für Schächte. Mit wenigen Klicks kann das gewünschte Schachtunterteil definiert werden. Diese Daten werden in Allplan aufbereitet und dem Schachtroboter zur Fertigung übermittelt. Bis zu 40 Schachtteile werden heute auf diese Weise täglich gefertigt. Die mit der Automatisierung angestrebte Effizienzsteigerung ist aber nicht nur Selbstzweck, sondern wird auch angetrieben durch die Mitbewerber: «Die Mitbewerber in der Schweiz und im benachbarten Ausland versuchen, wie wir, Prozesse zu finden, um effizienter und kostengünstiger produzieren zu können», erklärt Thomas Rohr. Aus diesem Grund verfolgt das Unter-nehmen zum Beispiel auch die Entwicklungen im 3D-Druck sehr interessiert, wie Mitinhaber Erwin Müller im Gespräch erklärt: «Für uns ist der 3D-Druck im Moment noch nicht marktreif. Aber langfristig werden wir sicher einsteigen.» Dabei zählt das Unternehmen auf die Erfahrung mit den 3D-Schachtrobo-tern.

«Wir haben mit Allplan einen starken Partner»

Bis zur vorgesehenen Freischaltung der mit Allplan modellierten Katalogprodukte stehen noch einige Herausforderungen an. Thomas Rohr ist froh darüber, dass die Müller-Steinag-Gruppe mit Allplan einen starken Partner hat, der auf die Anforderun-gen des Kunden eingeht und Lösungen sucht. «Basierend auf der bisherigen Zusammenarbeit mit Allplan, dürfen wir sagen, dass unsere Erwartungen in allen Bereichen mehr als erfüllt worden sind», so das zusammenfassende Fazit von Thomas Rohr. ■

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