Warum BIM und Holz zusammenpassen
Building Information Modeling, kurz BIM, vernetzt alle Bau-beteiligten digital, um den Bauprozess gemeinsam vo-rauszuplanen und das Werden eines Gebäudes in Echtzeit zu steuern. Der Holzbau, bereits seit Jahrzehnten in der dreidimensionalen digitalen Welt zu Hause, ist prädesti-niert für diese neue Organisa-tionsform des Bauens.

Kurz gesagt, ist BIM ist eine Planungs-methode, mit der ein Gebäude schon digital bis zum fertigen Ebenbild model-liert wird, bevor es gebaut wird – samt vielen Zusatzinformationen, die im aktuellen Planungsstand ausgewertet werden können. Noch ist BIM im Schwei-zer Bauwesen nicht Standard; es wird aber von professionellen Bauherren immer öfter angewendet.
BIM als Weg zu konsequentem Lebens-zyklus-Datenmanagement
«Die kollaborative Wertoptimierung bedeutet mehr Qualität und mehr Nutzen zum gleichen Preis, was sich in einer besseren Rendite in der Nutzung des Gebäudes niederschlägt», sagt Hansueli Schmid von Lignum Technik.
Mit BIM, so Schmid, ergäben sich beim Bauen unschätzbare Vorteile. «Planeri-sche Fehler, die früher erst auf der Baustelle ersichtlich wurden, sind heute schon im dreidimensionalen Modell ersichtlich und mit ein paar Klicks einfach und günstig zu korrigieren. Die Planung ist damit zwar aufwendiger – die Ersparnisse durch vermiedene Mängel, Bauunterbrü-che und unvorhergesehene Regiearbeiten machen den Mehraufwand aber längstens wett», zeigt sich Schmid überzeugt. «BIM schafft Prozesssicherheit», bekräftigt Holzbauingenieur Thomas Rohner, Vorstandsmitglied von Bauen digital Schweiz und seit 2015 Professor für Holzbau und BIM an der Berner Fachhochschule. «Waren traditionelle Entwurfsmethoden auf zweidimensionale technische Zeichnungen und Schemata beschränkt, hat die 3D-Modellierung erst einen vollständigen Prozess ermöglicht», erläutert der BIM-Fachmann. «Je nach Reifegrad geht BIM sogar noch weiter und bezieht die Zeit als vierte Dimen-sion, die Kosten als die fünfte, die Nachhaltigkeit als sechste und das Facility Management als siebte Dimen-sion mit ein.»

Vorsprung für den Holzbau
Der Holzbau, so Rohner, verfüge unter dieser neuen, von der Digitalisierung getriebenen Arbeitsweise über mehrere Startvorteile. «Zum Ersten hat er eine dreissigjährige Erfahrung in der 3D-Model-lierung, zum Zweiten verfügt er über eine ebenso lange Erfahrung in der Vorferti-gung und zum Dritten weiss er, wie man Produktionsdaten im 3D-Modell implemen-tieren kann.» Im Austausch der Informatio-nen mit allen anderen Planenden und Ausführenden gebe es auch im Holzbau durchaus noch Entwicklungspotenzial, sagt Rohner, aber die Produktion ab BIM-Modell habe die Bauweise im Griff. Lignum stellt mit Lignumdata (https:// lignumdata.ch/) eine offene Datenbank mit Baulösungen aus Holz bereit und erweitert das Angebot laufend. Bauprodukte und Bauteile können nach Anforderungen wie Schallschutz, Brandschutz, Ökobilanz usw. gefiltert werden. Über die API-Schnittstelle sind die Daten auf verschiedenen Plattfor-men vernetzt oder können im offenen IFC-Standard direkt in CAD-Programme importiert werden. Lignumdata bietet mit produktneutralen Informationen eine ideale Basis für die Zusammenarbeit in der BIM-Arbeitsmethode.

Paradebeispiel in Rotkreuz
Wie mit BIM und Holz Bauten möglich werden, die es bisher so noch nicht gege-ben hat, zeigt das Suurstoffi-Areal in Rotkreuz. Das Holz-Hybrid-Hochhaus «Arbo» – verkürzt aus dem lateinischen «arbor», was so viel wie Baum bedeu-tet – auf dem dortigen neuen Informatik-und Finanzcampus der Hochschule Luzern ist mit 15 Geschossen und 60 m Bauhöhe das derzeit schweizweit höchste Holzgebäude. Es wurde im Herbst 2019 bezogen.
Die Einbindung des Holzbaus ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie der Bauherrin Zug Estates. Diese konzipiert, entwickelt und bewirtschaftet Liegenschaften in der Region Zug. «Der Holzbau unterstützt sowohl unsere ökologischen als auch unsere ökonomischen Ziele», sagt Tobias Achermann, CEO der Zug Estates Holding AG. Holz binde CO2 und vermei-de zugleich Treibhausgasemissionen aus der Herstellung und dem Transport anderer Baumaterialien. Doch für Holz sprechen aus Sicht von Zug Estates auch handfeste wirtschaftliche Aspekte: «Die kürzere Bauzeit reduziert die Zinsen und führt zu früheren Mietein-nahmen», erklärt Achermann. «Die Vorfabrikation sorgt für höhere Qualität, und Holz schafft ein angenehmeres Raumklima. Der hohe Detaillierungsgrad in der Planung verbessert die Kosten-und Terminsicherheit. Und: Der Holzbau ist BIM-tauglich.»

Um den sportlichen Termin für den Bezug zu sichern, setzte Bauherrin Zug Estates für «Arbo» auf BIM in direkter Verknüp-fung mit Lean Construction, einer ausge-feilten Logistikplanung, und Holzbau auf der Höhe der Zeit. Alle Holzelemente entstanden im Werk aus dem dreidimen-sionalen Modell. Die Anlieferung erfolgte im Just-in-time-Prinzip, was die Bauzeit vor Ort erheblich verkürzte. ■