Falsche Energiepolitik gefährdet Stahlbau in der Schweiz

Vergangenen Woche hat Stahl Gerlafingen zum zweiten Mal in diesem Jahr Entlassungen angekündigt. Dies ist eine Folge der zunehmenden Wettbewerbsnachteile gegenüber ausländischen Konkurrenten, hält der Branchenverband metall.suisse in einer Mitteilung fest.

Die schlechten Nachrichten aus der metallverarbeitenden Basisindustrie haben einen weiteren Höhepunkt erreicht. Nach der Schliessung einer Produktionsstrasse im Frühjahr 2024 kündigt Stahl Gerlafingen die Entlassung von weiteren 120 Mitarbeitenden an. Die Familie Beltrame muss darüber hinaus mitteilen, dass mit jeder in Gerlafingen produzierten Tonne Stahl weiterhin Geld verloren geht. Laut Geschäftsbericht verzeichnete Stahl Gerlafingen im Jahr 2023 Verluste von über 100 Millionen Franken eine Entwicklung, die sich augenscheinlich im laufenden Jahr fortgesetzt hat.

Versorgung der Schweizer Bauindustrie mit Stahl

Als Recycling-Stahlwerk sichert Stahl Gerlafingen die Versorgung der Schweizer Bauindustrie mit jährlich rund 600’000 Tonnen Baustahl. Mit einem CO₂-Fussabdruck von 368 kg CO₂ pro Tonne ist das Werk derzeit das umweltfreundlichste Stahlwerk für Bewehrungsstahl und erfüllt zentrale Aufgaben in der Kreislaufwirtschaft. Trotz seiner 200-jährigen Tradition steht das Recyclingwerk in Gerlafingen, das einen bedeutenden Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leistet, nun vor einer akuten Bedrohung.

Vertreter des Stahlwerks sowie der Branche haben wiederholt darauf hingewiesen, dass eine fortgesetzte Industriepolitik zugunsten der Energieversorger und auf Kosten der Grossverbraucher das industrielle Rückgrat der Schweizer Wirtschaft gefährdet. Der Bundesrat hat es bislang versäumt, Massnahmen vorzubereiten, die die Rahmenbedingungen für Produktionsstandorte der metallverarbeitenden Basisindustrie in der Schweiz sichern könnten. Stattdessen wurde lediglich darauf verwiesen, dass es in der Schweiz keine Industriepolitik geben wird.

Problem: Energiepreise in der Schweiz

Eine dringende Korrektur der verfehlten Industriepolitik zugunsten der Energieversorger ist erforderlich, statt diese weiter auszubauen. Überhöhte Netzzugangskosten, Netzabgaben und Entschädigungen für den Aufbau einer Reserve, die bei angemessenem Einbezug der Grossverbraucher nicht notwendig wären, sind nur eine Seite der Medaille. Ebenso schwerwiegend ist die Entscheidung, die Gewinne der Energieversorger, die zu Beginn des Ukrainekriegs auf Kosten der Grossverbraucher erzielt wurden, an die Kantone auszuschütten, anstatt sie in Sicherungsmassnahmen zu investieren. Die Industrie wird hier gleich doppelt belastet.

600’000 Tonnen Baustahl – mehrheitlich aus Recycling

Die Auswirkungen entlang der eng verflochtenen Wertschöpfungsketten sind enorm. Eine Versorgung der Schweizer Bauwirtschaft mit weiteren 600’000 Tonnen Baustahl aus dem Ausland ist nicht realisierbar, da bereits heute die Transportkapazitäten fehlen. Zudem könnte die gleiche Menge an Stahlschrott nicht mehr in der Nähe der Anfallorte verarbeitet werden. Nicht nur die Mitarbeitenden im Stahlwerk wären von den Folgen betroffen; auch in Recyclingunternehmen, Biegereien und der Bauwirtschaft würde ein solches «Erdbeben» deutlich spürbar sein.

Der Dachverband metal.suisse fördert die Stahl-, Metall- und Fassadenbauweise in der Schweiz und setzt sich für den Materialkreislauf der metallischen Werkstoffe ein. Der Verband ist über-zeugt mit seiner Bauweise und seinen Materialien einen zentralen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele der Schweiz beitragen zu können. Recyclingmaterialien sind heute Standard. Metal.suisse fördert Konzepte der Weiter- und Wiederverwendung von Gebäuden und Bauteilen und unterstützt deren Umsetzung.

www.metalsuisse.ch

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