Neue Kettenbrücke Aarau: Die siebte Bauphase steht an

Die 1949 erbaute Aarebrücke in Aarau ist im Laufe der Zeit mehrmals instand gestellt worden. Trotzdem weist sie nun erhebliche Mängel auf und genügt den heutigen Anforderungen nicht mehr. Deshalb entsteht ein neuer Übergang. Die Bauarbeiten für die neue Brücke dauern voraussichtlich noch bis Ende 2021.

Die alte Aarebrücke mit einem Gittermastbagger
Die alte Aarebrücke mit einem Gittermastbagger.

Die Aarebrücke in Aarau weist erheb-liche Schäden und Mängel auf. Den eigentlichen Schwachpunkt aus Sicht der Brückenstatik bilden die zwei Gerbergelenke respektive Fahrbahn-übergänge im Brückenmittelfeld. Weil die Fundation der beiden Flusspfeiler in einem annehmbaren Zustand ist, werden nur der Brückenoberbau und die Widerlager ersetzt.

Im Jahre 2009 startete der Kanton Aargau zusammen mit der Stadt Aarau einen Projektwettbewerb. Von der Jury zur Weiterbearbeitung empfohlen wurde das Projekt Pont Neuf. Zehn Jahre wurde das Projekt durch die verschiedenen Projektstadien geführt. Die Bauarbeiten starteten schliesslich im Juni 2019 und dauern voraussichtlich noch bis Ende 2021.

Fügt sich ein und wertet auf

Die neue Brücke fügt sich in die histori-sche Altstadtkulisse ein und wertet die Uferräume auf. Die Brücke verbindet die verschiedenen Bewegungsströme und ist zudem Aufenthaltsort am Eingang der Aarauer Altstadt. Sie ist eine moderne Betonkonstruktion und benutzt die vorhandenen Pfeilerfundamente als Zwischenauflager. Die Spannweiten bleiben somit identisch zur bestehenden Brücke. Das Tragwerk besteht in Längs-richtung aus einer Abfolge von drei Stahlbeton-Doppelbögen. Die Brücken-breite beträgt rund 18 Meter.

Windverband der provisorischen Hilfsbrücke
Windverband der provisorischen Hilfsbrücke.

Die Bereiche über den Pfeilern und Widerlagern sind zur Einsparung von Gewicht und Material als Hohlkasten ausgebildet. Die seitlich hochgezogenen Seitenflanken verdecken die eigentliche Bogenkonstruktion. Bei den Widerlagern werden neue, massive Fundamentkörper aus Stahlbeton mit Bohrpfählen zur Verankerung der Lasten ausgebildet. Es sind vier Stützmauern geplant. Ihre Hauptfunktion ist die Stützung der Rampen, auf denen die Strasse fortge-führt wird.

Erstellung der Hilfsbrücke von Norden her

Der Start der Bauarbeiten erfolgte im Sommer 2019. Ausgeführt werden die Arbeiten von der ARGE Kettenbrücke. Sie installierte sich nach dem Start-schuss am Nordwestufer der Aare und startete mit der Erstellung der Hilfs-brücke von Norden her. Es wurden Joche in die Aare gerammt und Stahlträger versetzt. Sie dienen der Hilfsbrücke als Tragwerk. Mithilfe von vorfabrizierten Betonplatten wurden die Hohlräume zwischen dem Trägerrost geschlossen und die Betonplatte aus Ortsbeton gegossen. Die Betonplatte dient einer-seits als Tragelement mit den Stahl-trägern, andererseits bildete sie die Fahrbahnoberfläche der Hilfsbrücke. Im Frühling des letzten Jahres konnte die Hilfsbrücke schliesslich in Betrieb genommen werden. Das ermöglichte den Start der eigentlichen Arbeiten der Widerlager und die Abbrucharbeiten der alten Brücke. Der Rückbau erfolgte mit einem Abbruchbagger. Der abgebroche-ne Beton landete in einer Mulde auf einem Floss. Rund 2500 Kubikmeter Beton wurden abgebrochen.

Das Material wird im Fluss belassen und durch Erosion langsam abgetragen
Das Material wird im Fluss belassen und durch Erosion langsam abgetragen

Im Sommer steht die nächste Phase an

Sobald der Zugang zu den Widerlagern und zu den Pfeilern gewährleistet ist, werden ab Juli die Flussbaugruben mittels Stahlprofilen gerammt. Die Baugruben werden so weit abgedichtet, dass die Baugrube trockengelegt werden kann. Mit dem Trockenlegen der Baugruben werden die restlichen Abbrucharbeiten vorgenommen sowie die neuen Pfeiler und Widerlager in Angriff genommen. Die Widerlager und Pfeiler dienen als Abstützung des Oberbaus, der in Etappen betoniert wird. Dafür wird ein Leergerüst in die Aare gestellt, damit das Schalen des Oberbaus und letztendlich die Betonieretappen möglich sind.

Der Dienststeg wurde mit einem Seilbagger erstellt.
Der Dienststeg wurde mit einem Seilbagger erstellt.

Splittung des Verkehrs

Mit der Fertigstellung der Brückenplatte kann die Fahrbahn realisiert werden. Die Betonplatte wird mit einem Gussas-phalt überbaut. Der Gussasphalt dient einerseits als Fahrbahnoberfläche, andererseits schützt er den Beton vor Umwelteinflüssen (wie z.B. chloridbelas-tetes Wasser, das beim Winterdienst gegen Glatteisbildung zum Einsatz kommt). Der Verkehr wird auf die beiden Brücken gesplittet (analog Bauphase 4), dies, um die Fertigstellungsarbeiten zwischen den beiden Brücken zu bewerk-stelligen. Markierungs-und Signalisa-tionsarbeiten der neuen Brücke sind vor der Verkehrsfreigabe fertigzustellen.

Visualisierung der neuen Brücke von Christ & Gantenbein
Visualisierung der neuen Brücke von Christ & Gantenbein

Gestaltung des Ufers

Ab Herbst erfolgt der Rückbau der Hilfsbrücke. Gleichzeitig wird die neue Brücke in Betrieb genommen und der Installationsplatz zurückgebaut. Dann können auch die Gestaltungsarbeiten in Angriff genommen werden. Das Aareufer wird mit neuen Wegen sowie Begrünung der Mauern und Bäumen aufgewertet. Die Aufenthaltsqualität wird gleichzeitig durch neue Sitzmöglichkeiten gesteigert. ■

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