Substanzerhalt Bahnviadukt «Verbindungslinie Brugg»

Die SBB setzt in Brugg noch bis Mitte 2022 den Bahnviadukt, die sogenannte «Verbindungslinie Brugg», instand. Gleichzeitig erneuert sie dessen beide Gleise. Ziel ist ein weiterhin sicherer und pünktlicher Bahnverkehr.

Das Foto zeigt den Viadukt von Westen (Seite Aarau) Richtung Osten (Seite Bahnhof Brugg) gesehen. Er überspannt unter anderem die Aarauerstrasse (links der Gleise), die Bahnlinie Brugg–Aarau und das Areal der Stiftung Bahnpark Region Brugg (rechts der Gleise).
Das Foto zeigt den Viadukt von Westen (Seite Aarau) Richtung Osten (Seite Bahnhof Brugg) gesehen. Er überspannt unter anderem die Aarauerstrasse (links der Gleise), die Bahnlinie Brugg–Aarau und das Areal der Stiftung Bahnpark Region Brugg (rechts der Gleise).

Der Zahn der Zeit nagt auch am Brugger Bahnviadukt und den beiden darauf liegenden Gleisen. Der rund 500 Meter lange und 10,6 Meter breite Viadukt über-quert südwestlich des Bahnhofs Brugg mehrere Gleise sowie – im mittleren Abschnitt – die Aarauerstrasse. Der auch «Verbindungslinie Brugg» genannte Viadukt wurde im Jahr 1969 erbaut und dient primär den Güterzügen, welche via Bözberglinie verkehren und so den Bahnhof Brugg umfahren können. Die Bözberglinie ist Teil der Güterverkehrs-achse Basel–Tessin via Gotthard.

Seit der Inbetriebnahme hat die SBB stetig punktuelle Unterhalts-und Erneue-rungsarbeiten am Viadukt und seinen Gleisen ausgeführt. Wie die regelmässi-gen Bauwerkinspektionen ergeben haben, erreichen nun aber bald schon verschiedene Element des Viadukts das Ende ihrer Lebensdauer. Dies sind unter anderem die Brückenabdichtung, der Rostschutz der Lager, die Wasserabläufe sowie Geländer und Berührungsschutz-dächer, aber auch Schienen, Holzschwel-len und Schotter des zweispurigen Viadukts. Weiter müssen die Brückentrag-konstruktion und die südöstliche Vorland-stützmauer gemäss den aktuellen Anforderungen für einen Entgleisungsfall statisch verstärkt werden.

Um einen sicheren, störungsfreien Bahnbetrieb über die nächsten Jahrzehn-te garantieren zu können, ist darum jetzt ein «grosser Service» nötig beziehungs-weise eine umfassende Instandsetzung des Viadukts unumgänglich.

Umfassende Massnahmen

Ziel ist, mit den baulichen Massnahmen die Lebensdauer der Ingenieurbautrag-werke um weitere 50 bis 100 Jahre zu sichern. Das umfassende Instandset-zungsprojekt beinhaltet folgende Massnahmen an Viadukt, Stützenkonst-ruktion und Fahrbahn:

– Erneuerung der Brückenabdichtung

– Erneuerung der Dilatationsvorrichtun-gen, welche erlauben, dass sich Brücke und Gleise bei Hitze ausdeh-nen und bei Kälte zusammenziehen können, ohne dass das Bauwerk oder die Fahrbahn Schaden nimmt

– Vollständiger Ersatz der Brückenent-wässerung unterhalb der Fahrbahn-platte

– Lokale Betoninstandsetzungen

– Erneuerung des Rostschutzes der Brü-ckenlager, welche die Kräfte des Tragwerks auf die Fundamente und Widerlager der Brücke übertragen

– Ersatz des bestehenden Brückenge-länders

– Ersatz der bestehenden Berührungs-schutzdächer

– Statische Verstärkungen des Viadukts mit zusätzlicher Betonschicht gemäss aktuellen Anforderungen für Entglei-sungslastfälle

– Lokale Verstärkung der Fahrleitungs-mast-Fundationen auf dem Viadukt mittels betonierter Verstärkungsmass-nahmen

– Verstärkung der südöstlichen Vorland-stützmauer mittels rückversetzter Bohrpfahlwand

– Erneuerung von rund 4 Kilometer Schiene, 3300 Schwellen und 16 000 Tonnen Schotter

– Einbau lärmdämpfender Unterschot-termatten

Der Plan zeigt die Lage des zweispurigen Bahnviadukts «Verbin dungslinie Brugg». Gegen Norden führt die Verbindungslinie Richtung Bözberg, gegen Süden Richtung Lenzburg. Östlich des Viadukts liegt der Bahnhof Brugg.
Der Plan zeigt die Lage des zweispurigen Bahnviadukts «Verbin dungslinie Brugg». Gegen Norden führt die Verbindungslinie Richtung Bözberg, gegen Süden Richtung Lenzburg. Östlich des Viadukts liegt der Bahnhof Brugg.

Anspruchsvolle Baulogistik und Ausführung

Für die Instandsetzungsarbeiten muss das Bauteam den gesamten Viadukt einrüsten. Die Hauptarbeiten für Instand-setzung und Fahrbahnerneuerung erfolgen sodann in zwei Etappen: in der ersten Etappe erneuert das Bauteam die Viadukthälfte im Bereich des westlichen Gleises (Seite Aarau), danach die Viadukthälfte im Bereich des östlichen Gleises (Seite Bahnhof Brugg).

Die Baulogistik ist dabei eine Herausfor-derung. Grössere Transporte erfolgen über die Schiene. Die Grobverteilung der Materialien wird je nach Abschnitt über Gleisfahrzeuge vorgenommen, die Feinverteilung durch Bagger und Dumper. Neben der Erschliessung über das Gleis sind zusätzlich drei Personenaufgänge und Lastenaufzüge erforderlich. Viele Arbeiten im beengten Gleisbereich des Viadukts können zudem aus Sicherheits-gründen nur während Gleissperren und bei ausgeschalteten Fahrleitungsabschnit-ten vorgenommen werden.

Gebündelte Arbeiten verkürzen Gesamtbauzeit

Durch die gemeinsame und konzentrierte Ausführung der Viaduktinstandsetzung und der Fahrbahnerneuerung kann die SBB die Gesamtdauer von Gleissperren und Baulärm deutlich reduzieren. Das dient sowohl den Kundinnen und Kunden im Güterverkehr als auch den Anwohne-rinnen und Anwohnern.

Aktuell laufen die Vorarbeiten. Sie dauern noch bis in den Frühling. Ab April 2021 werden dann die Hauptarbeiten der 1. Etappe in Angriff genommen. Sie umfassen die Instandsetzung und Erneuerung der Fahrbahn der Viadukt-hälfte im Bereich des westlichen Gleises (Seite Aarau). In dieser ersten Phase erfolgt auch die Verstärkung der südostli-chen Vorlandstützmauer inklusive Pfahlarbeiten und die Instandsetzung der Brückenunterseite. Ab August 2021 erfolgen dann in der 2. Etappe die gleichen Arbeiten für die andere Seite. Abgeschlossen werden die Arbeiten im Frühling des nächsten Jahres.

Finanzierung durch den Bund

Die Projektkosten belaufen sich auf rund 20 Millionen Franken, finanziert via der Leistungsvereinbarung zwischen Bund und SBB. Im Rahmen der Leistungsver-einbarungen handeln Bund und Bahnen jeweils periodisch aus, wie viele öffentli-che Mittel für Instandhaltung und kleinere Erweiterungen investiert werden können. ■

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