Charta für kreislauforientiertes Bauen unterzeichnet
Mit weniger nicht erneuerbaren Rohstoffen und Energien wird Bauen nachhaltiger. Zu diesem Zweck haben der Bund, Stadt und Kanton Zürich sowie eine Reihe privater Grossunternehmen die «Charta kreislauforientiertes Bauen» unterzeichnet.
Immer noch gehen beim Bauen zu viele wertvolle, nichterneuerbare Rohstoffe unwiederbringlich verloren. Und vom Netto-Null-Ziel ist man noch weit entfernt. Der Bau und der Betrieb von Gebäuden und Infrastrukturen sind verantwortlich für rund 50 Prozent des Rohstoffbedarfs, einen Drittel der CO2-Emissionen und über 80 Prozent des Abfallaufkommens in der Schweiz. Soll die Bauwirtschaft nachhaltiger werden, muss der Verbrauch nicht erneuerbarer Rohstoffe beim Bauen verringert und die grauen Treibhausgasemissionen gesenkt werden.
Bauriesen plädieren für Kreislaufwirtschaft
Vor diesem Hintergrund haben sich am 11. Juli 2023 zwölf der grössten öffentlichen und privaten Bauauftraggeber in der Schweiz auf den Weg Richtung Kreislaufwirtschaft begeben. Sie generieren gemeinsam rund 4 Milliarden Franken Hochbauinvestitionen pro Jahr. Mit der Unterzeichnung der «Charta kreislauforientiertes Bauen» bekennen sie sich zum Ziel, bis 2030 die Verwendung von nicht erneuerbaren Primärrohstoffen auf 50 Prozent der Gesamtmasse zu reduzieren, die grauen Treibhausgasemissionen zu erfassen und stark zu reduzieren sowie die Kreislauffähigkeit von Sanierungen und Neubauten zu messen und stark zu verbessern.

Beim Bau und Unterhalt ihrer Liegenschaften wollen diese Bauriesen sanieren statt neu zu bauen, langfristig bauen, den Materialverbrauch reduzieren und Bauteile wiederverwenden. Dies haben die beteiligten Unternehmen mit der Unterzeichnung der Charta im NEST, dem modularen Forschungs- und Innovationsgebäude der Empa/Eawag in Dübendorf, bekräftigt. Sie wollen damit ihre Entschlossenheit unterstreichen, die Kreislaufwirtschaft in der Schweizer Bauwirtschaft entscheid voranzubringen.
Weitere Partner gesucht
Mit der Charta bekennt sich eine Reihe der bedeutendsten Schweizer Bauauftraggeber zur Kreislaufwirtschaft. Die Charta ist aber offen für weitere Partner. Die Charta-Partner wollen ihr Wissen und ihre Erfahrung bündeln, um die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft im Schweizer Bauwesen voranzutreiben. Im Vordergrund steht das auf Freiwilligkeit basierende, von Pioniergeist getriebene Zusammenwirken und Vernetzen und das gemeinsame Lernen mit dem Ziel, konkrete Schritte in Richtung kreislauforientiertes Bauen auszulösen. Die Erstunterzeichner der Charta sind:
- Allreal
- AXA Investment Managers Schweiz AG
- Baudirektion Kanton Zürich
- Bundesamt für Bauten und Logistik BBL
- Empa
- Hochbaudepartement Stadt Zürich
- Post Immobilien Management und Services AG
- Swiss Prime Site
- Swiss Life Asset Management AG
- UBS Fund Management (Switzerland) AG
- Zug Estates
- Zurich Invest AG
Kreislaufwirtschaft heisst, dass Produkte länger gebraucht werden, weil sie dauerhafter gebaut sind und repariert werden können. Sie bedeutet, weniger Material im Kreislauf zu führen, dank Produkten, die weniger Rohstoffe benötigen und indem wir die Produkte teilen, statt sie zu besitzen. Sie bedeutet, am Ende der Lebensdauer Produkte vollständig und ohne Wertverlust zu rezyklieren. Das reduziert den Bedarf an Deponieraum. Es verringert die grosse Belastung von Umwelt und Klima beim Abbau, der Verwendung und Verwertung der Rohstoffe. Der geringere Energiebedarf erleichtert den Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien. Und es spart Rohstoffe für kommende Generationen.
Die Chartaunterzeichnung im NEST
Das NEST ist das modulare Forschungs- und Innovationsgebäude der beiden Schweizer Forschungsinstitute Empa und Eawag in Dübendorf. Dort arbeiten mehr als 150 Partner aus Forschung, Wirtschaft und öffentlicher Hand zusammen. Neue Technologien und Baukonzepte werden unter realen Bedingungen getestet, weiterentwickelt und im Praxisalltag erprobt. Mit den beiden NEST-Units «Urban Mining & Recycling» und «Sprint» wurden im NEST zwei Vorzeigeprojekte im Bereich des kreislaufgerechten Bauens realisiert.
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